Richtlinien für den Seminarvortrag
Vorbemerkung: Sie sollen im Seminar einen guten Vortrag halten. Wie Sie das
machen ist letztendlich Ihre Sache. Die folgenden Hinweise sollen dabei Hilfestellung
geben – aber nicht mehr. Wenn Sie der Ansicht sind, dass Sie, generell oder
bei Ihrem spezifischen Seminarthema, davon abweichen müssen oder sollten:
Auch gut.
Inhaltliche Vorbereitung:
In den meisten Fällen werden Sie über eine oder mehrere Originalarbeiten
referieren.
- Werden Sie sich darüber klar, was die wichtigsten
Punkte dieser Arbeit(en) sind. Dies kann u.U. auch stark vom Seminarthema
abhängen oder welche anderen Arbeiten vor oder nach Ihnen referiert
werden.
- Versuchen Sie die ermittelten Punkte dann grob nach Wichtigkeit
zu ordnen und schätzen Sie ab, wie viele davon Sie in der vorgegebenen
Zeit vernünftig erklären können. In der Regel haben die Seminarteilnehmer
mehr davon, wenn eine geringere Anzahl von Punkten gut erklärt wird,
als wenn viele Aspekte angerissen werden. Wenn Sie sich unsicher sind ist
vielleicht ein Gespräch mit Ihrem Dozenten hilfreich. Dies gilt auch
wenn Sie Verständnisschwierigkeiten haben.
- Experimentelle Details können häufig (nicht
immer!) weggelassen werden, ohne dass dies ein Gesamtverständnis erschwert.
Bei zu vielen Details geht eher der Überblick verloren. Überlegen
Sie aber auch, welche Details wichtig sind und unbedingt erwähnt werden
sollten. Dies hängt möglicherweise auch vom Seminarthema ab. Beispiel:
Bei der Beschreibung einer Zell-Linie, die transgen für ein Zellkernprotein
ist, wird ein Seminar zur molekularen Klonierung andere Schwerpunkte erfordern
als eines zur Zellkernarchitektur. In letzterem sind beispielsweise verwendete
Vektoren und Restriktionsenzyme eher unwichtig. Dagegen ist der verwendete
Zelltyp sehr wichtig.
- Aus dem oben gesagten folgt, dass Sie mehr wissen müssen,
als Sie vortragen können. Bei entsprechenden Fragen während oder
nach Ihrem Vortrag sollten Sie in der Lage sein, auch Details zu ergänzen,
gegebenenfalls auch durch schnelles Nachschlagen im Artikel.
Rhetorische Vorbereitung:
- Nachdem Sie sich überlegt haben was Sie sagen wollen,
denken Sie bitte auch darüber nach wie Sie es sagen. Versuchen Sie sich
in die anderen Seminarteilnehmer zu versetzen: Wie müssen Sie etwas
erklären, damit es verstanden wird? Brauchen Sie eine Einleitung? Sollte
Lehrbuchwissen noch mal kurz wiederholt werden? Helfen Zeichnungen, eigene
oder aus dem Artikel? Hilft es, ein Tafelbild zu entwickeln? Brauchen Sie
Farbfolien oder andere Hilfsmittel? Hier kann vielleicht Ihr Dozent weiterhelfen.
- Eine vorgegeben Reihenfolge von Fakten in Originalarbeiten
brauchen Sie natürlich nicht einzuhalten. Möglicherweise erleichtert
eine Umstellung das Verständnis. Wenn Sie mehrere Paper referieren können
Sie diese natürlich auch durchmischen.
- Eine grobe Übersicht über den Inhalt des kommenden
Vortrags gleich am Anfang ist für die Orientierung der Zuhörer
häufig sehr hilfreich.
- Denken Sie bitte im speziellen an ein Handout. Diese
sind häufig schon während eines Vortrages hilfreich, aber ganz
besonders auch für die Nachbereitung. Vielleicht auch für die Prüfungsvorbereitung.
Achten Sie bitte auch hier auf eine übersichtliche Gestaltung. Es wird
nicht dadurch besser, dass Sie große Schrift einsetzen. Auch 10 Punkt
ist noch gut lesbar, wie Sie hier sehen können. Vielleicht sparen Sie
so ein Blatt. Geben Sie auf dem Handout bitte auch das genaue Zitat referierter
Originalarbeiten an, inkl. möglichst vollständiger Autorenliste.
Wenn Ihr Handout aus mehr als einem Blatt besteht, heften Sie es bitte zusammen
oder schreiben Sie Ihren Namen auf alle Blätter.
- Üben Sie Ihren Vortrag, indem Sie ihn am Stück
genau so vortragen, wie Sie es für das Seminar planen. Achten Sie dabei
auch auf die Zeit, die Sie benötigen. Wenn die Zeit nicht ausreicht
versuchen Sie bitte nicht, dies durch schnelleres Sprechen auszugleichen.
Straffen Sie lieber inhaltlich.
- Ideal ist es natürlich, wenn Sie Gelegenheit haben,
Ihren Vortrag vor einem oder einigen Freiwilligen zu üben (z.B. andere
Seminarteilnehmer). Falls Sie diese Möglichkeit haben, bitten Sie um
Kommentare bewusst auch zum Vortragsstil. Sie bekommen sonst möglicherweise
eher höfliche als ehrliche Antworten.
- Nach der geltenden Lehrmeinung ist es besser, wenn Sie
den Vortrag frei halten bzw. möglichst wenig ablesen. Hauptgrund hierfür
ist vermutlich, dass abgelesene Vorträge häufig in schwer verständlicher
Schriftsprache verfasst sind oder schlicht zu schnell vorgetragen werden.
Diese Nachteile lassen sich durch freies Vortragen (evtl. durch Stichwortzettel
unterstützt) vermeiden. Nach meiner persönlichen Meinung kann ein
gut (!) abgelesener Vortrag allerdings auch besser sein als ein freies Gestammel.
Was für Sie am besten ist sollten Sie durch üben zu Hause ausprobieren.
- Wenn Sie Ihren Vortrag gehalten haben, rennen Sie bitte
nicht gleich auf Ihren Platz als seien Sie auf der Flucht. Warten Sie vorne
ab, ob es noch Fragen gibt, die Sie beantworten können/müssen.
Bitte bedenken Sie: Es geht nicht darum, dass Sie zeigen was Sie alles gelernt
haben. Das Sie verstanden haben worum es in Ihrem Vortrag geht, wird als
selbstverständlich vorausgesetzt. Es geht vielmehr darum, dass die anderen
Seminarteilnehmer verstehen, worum es geht.
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